Im Trend- Beauty & respect

Was essen unsere Gäste nach der Pandemie? Auf der Suche nach dem neuen Geschmack.

Interview mit dem Spitzenkoch Sven Reschke von Gans & Gar Catering Berlin

Sven Resche und sein Cateringunternehmen Gans & Gar gibt es jetzt seit über 10 Jahren in Berlin. Wir kennen uns seit der ersten Stunde und haben zusammen viele besondere Veranstaltungen gestaltet. In der RBH Berlin sind mfe und Gans & Gar begeisterte Partner für das Gastgeben.

Gans & Gar Catering Berlin

Das Label beauty & respect hat sich Sven ausgedacht. Auf Wochenmärkten und mit Geschenkboxen haben wir gemeinsam viele Menschen mit den besonderen, gesunden und nachhaltigen Produkten glücklich gemacht.

Michaela: Ich habe kürzlich im Forbes Magazin gelesen, dass 54 Prozent der Verbraucher durch die Pandemie dazu gedrängt wurden, eine gesündere Ernährung anzunehmen, die zunehmend auf Bio-Lebensmitteln basiert. Das Thema Gesundheit und gesund bleiben ist allgegenwärtig. Wie sind deine Erfahrungen?

Sven: Ich würde da gar nicht von „gedrängt“ reden sondern von „bewußt geworden“. Es wird immer mehr Menschen klar das es ein „weiter so“ in unserem Umgang mit uns selbst und der Mutter Erde nicht geben kann. Für mich ist es ein guter Effekt der jetzigen Situation das wir auf uns zurück geworfen wurden. Jeder kam zwangsläufig nicht umhin sein Leben zu reflektieren. Das führt bei immer mehr Menschen dazu, dass sie sich mit dem eigenen Körper und der Wirkung des persönlichen Konsums auf die Umwelt befassen.

„Du bist was Du isst“

Auf diese Weise wird der altbekannte Satz „Du bist was Du isst“ gelebte Realität von einer immer größeren Zahl Menschen. Meine Gäste überlegen sich zusehends mehr, ob Speisen der Gesundheit zuträglich sind, und sie denken auch über moralische Aspekte des Konsums verstärkt nach. Der Trend geht deshalb stark zum bewußteren Fleischkonsum. Der Anteil pflanzenbasierter Nahrungsmittel geht stark nach oben- Das treibt natürlich auch teils extreme Blüten, wie stark extrem verarbeitete Fleischersatzprodukte.

Was sind gesunde Lebensmittel?

Aber hier berate ich meine Kunden: Lebensmittel sind gesünder, wenn sie nicht industriell verarbeitet sind. Wir haben bei Gans & Gar das Prinzip, keine stark prozessierten Lebensmittel zu verwenden. Trotzdem muss ich sagen, dass das Bewusstsein für eine immunstärkende Ernährungs- und Lebensweise noch zu wenig ausgeprägt ist. Hier gibt es eindeutig noch Potential nach oben.

Michaela: Die gesundheitliche Notlage hat den Wunsch verstärkt, nach Lebensmitteln zu suchen, die einen positiven Einfluss auf den Klimawandel haben können, Zero-Mile oder Good-Mile-Lebensmittel, die die Umwelt und die Saisonalität respektieren. Hast du Empfehlungen für uns? Ich weiß, dass du zum Beispiel mit der Avocado auf Kriegsfuß stehst 😉

Sven: Das stimmt tatsächlich, natürlich ich esse Avocado sehr gern, weiß aber auch das diese Modefrucht extrem viel Wasser verbraucht. Und was noch mehr ins Gewicht fällt ist, die Avocado muss reifgeernten und dann sofort per Flugzeug transportieret werden. Also verkneife ich mir diesen Genuß weitestgehend. Ich würde meine Empfehlung in zwei Teile unterteilen: Mein privater Konsum in der Familie und der professionelle Einsatz von Lebensmitteln bei Veranstaltungen mit mehreren hundert Gästen.

Einkauf Tipps- Was soll auf der nächsten Einkaufsliste nicht fehlen

Kaufen Sie so oft wie nur möglich Alternativen zu den getypten Superfoods. Also Hirse statt Quinoa, Birkenwasser statt Kokoswasser, Sauerkraut statt Aroinabeeren usw. Schauen Sie sich an, was ein Lebensmittel so wertvoll macht und suchen Sie dann nach heimischen Alternativen. Das ist oft einfacher als man mein. Unsere Vorfahren waren bereits Experten auf dem Gebiet. Sie hatten ein tieferes Verständnis von Inhaltsstoffen und deren Nutzen. Zum Beispiel ist das Sauerkraut extrem reich an Vitamin C und kann deshalb locker mit Zitronen mithalten. Oder informieren Sie sich einmal über den Wert von Brennnesseln. Sie werden überrascht sein!
Bestellen Sie sich ein Gemüseabo. Diese Art des Einkaufs kenne ich aus Japan. Es freut mich, dass es jetzt bei uns immer mehr solche Angebote gibt. Hierbei bekommt man wöchentlich oder monatlich eine Auswahl an Gemüse und Obst der Saison von regionalen Produzenten. So sind alle Lebensmittel erntefrisch und der Produzent verkauft seine komplette Ernte.
Wenn Sie tierisches Protein essen greifen Sie auf Wild zurück. Das ist natürlich aufgewachsen und wird nicht mit Kraftfutter aufgezogen. Sollte es doch nur ein Stück Rind sein, so vergewissern Sie sich das mit Gras gefüttert wurde und am Besten auf der Weide aufgewachsen ist. Als Mindestanforderung an ihr Fleisch, egal ob Geflügel oder Fleisch, sollte gelten das es regional im Freiland aufgezogen wurde. Fragen Sie ob der Bauer sein Futter selbst anbaut, was immer ein gutes Zeichen ist. Beim Fisch ist es wichtig zu verstehen, dass kaum etwas die Natur so bedroht, wie der Raubbau an unseren Ozeanen. Hier gilt das Gegenteil zum Land. „Wild“ ist hier in aller Regel keine gute Option. Fast alle Wildfische sind rettungslos überfischt und jede weitere Entnahme von, zum Beispiel Blauflossenthunfisch, ist ein regelrechtes Verbrechen. Suchen Sie lieber nach regionalen Züchtern. Die ziehen ihre Fische natürlich auf. Beispiele in und um Berlin sind: „Der Hauptstadtbarsch“ und „Die 25 Teiche“.
Setzen Sie sich nicht zu sehr unter Druck! Der Genuss soll nicht zu kurz kommen. Kaufen Sie Ihre Lebensmittel nach den Regeln: so nah wie möglich, so saisonal wie möglich, so naturnah wie möglich, so unverarbeitet wie möglich, so bunt wie möglich, so frisch wie möglich. Sie werden merken wie Sie dann von ganz alleine mehr Energie fühlen, sich Ihr Gewicht stabilisiert und Erkältungen weniger häufig auftreten.

Was essen unsere Gäste nach der Pandemie? Auf der Suche nach dem neuen Geschmack.

Für Professionelle Events mit mehreren hundert Gästen gelten die selben Regeln. Das ist dann natürlich gar nicht so einfach. Kontrollieren Sie Ihre Vertragspartner, ob diese wirklich Regionale Produkte verwenden. Wenn Ihnen ein Caterer bei 5 Veranstaltungen im Jahr für je 200 Gäste „Linumer Wiesenkalb“ verkaufen will so werden Sie übers Ohr gehauen. So viele Kälber gibt es  im regionalen Bereich einfach nicht. Und wenn jeder „Havelzander“ wirklich aus der Havel käme, würde man vor lauter Fischen kein Wasser mehr in der Havel sehen. Tatsächlich hilft hier nur Beschränkung. Fünfhundert Gästen Rinderfilet zu servieren, mag einfach sein und sich teuer anhören, bedeutet aber das dafür ungefähr 12-14 Rinder ihr Leben lassen. Das sind tausende Kilo Fleisch. Alles , was kein Filet ist, ist dann schwerer zu verkaufe. Hier ist es besser sich auf einen Fleischgang zu beschränken, und diesen mit einem guten Schmorstück zu realisieren. Auch ein komplett vegetarisches Menü ist ein Highlight, einen guten kreativen Koch voraus gesetzt. Und prüfen Sie auch, ob die vollmundigen Versprechen Ihres Subunternehmers realistisch sind. Zum Beispiel ist es nicht ökologisch ein ganzen Kohlrabifeld zu roden, nur um den Kohlrabi im Kohlrabi servieren zu können. Wenn Sie den Kohlrabi in einer Schale servieren, brauchen Sie die Hälfte der Menge und schützen so wirklich nachhaltig die Umwelt.

Michaela: Habt ihr eure Hochbeete schon bepflanzt? Was macht euer Komposthaufen?

Was essen unsere Gäste nach der Pandemie? Auf der Suche nach dem neuen Geschmack.
beauty and respect

Sven: Ja, wir haben in diesem Jahr unsere Anbaufläche verdoppelt. Wir möchten Salat und Kräuter so weit wie nur möglich selbst anbauen. Wir wollen echte Nachhaltigkeit, und da wir über große Außenflächen an unserer Produktionsküche verfügen, konnten wir die arbeitsarme Zeit nutzen und diese Fläche mit Leben füllen. Wir stellen Kompost selbst her, die Qualität ist der Wahnsinn. Dazu kommen jede Menge Insekten, da wir auch Blumen haben und wir auch tolle „Unterkünfte“ gebaut haben. Wir sind sehr stolz auf unseren Garten, er ist ein echtes Herzensprojekt.

Michaela: Sven in diesem Jahr bauen wir auch einen Komposthaufen hinter der Produktionsküche der RBH. Mein Garten mit Terrasse wird Ende April fertig sein. Ich will Bienen, Schmetterlingen und Insekten was bieten.

Ich glaube, dass Nahrungsmittel, die einen Nutzen für das Immunsystem bieten, ein echter Seller nach oder auch während der Pandemie sein werden. Die wird uns so schnell nicht verlassen. Alle werden vermehrt versuchen ihre Immunabwehr zu stärken und über die Nahrung für ihre Gesundheit zu sorgen.Mit Samuel hast du vor einem Jahr ein immunstärkendes Bowlegericht gekocht. Knuckle Chuck. Wie habt ihr das zubereitet und was ist der Immunsystem Booster?

Sven: Es wäre zu wünschen das die Menschen sich genau darauf besinnen würden. Der „Knuckle Chuck“ war ein spezielles Gericht eines buddhistischen Ordens. Samuel gab mir das Rezept und fragte, ob wir es zusammen zubereiten könnten. Im Prinzip ist es ein Eintopf aus Fleisch, Gemüse und Reis. Dies ist ein schönes Beispiel für die Regeln, die ich oben genannt habe. Mit Massentierhaltungsfleisch und Gemüse aus industrieller Landwirtschaft hätte dieses Gericht nur die halbe Wirkung.

Grasgefüttertes Rindfleisch hat nämlich zum Beispiel eine völlig andere Zusammensetzung der Fettsäuren. Biogemüse hat trotz gegenteiliger Aussagen von Lobbyverbänden in der Regel tatsächlich einen höheren Ernährungsphysiologischen Wert. Die regionale biologische Landwirtschaft hat von allen Anbauformen die beste Bodennutzung und den geringsten Bodenverlust. Man sollte man darüber nachdenken: Nur was der Boden hergeben kann, kann dann auch im Gemüse sein. Künstlicher Dünger, der Zusammen mit diversen Umweltproblemen und sogar Radioaktivität auf die Felder kommt, kann diese überhitzten Böden nicht ausgleichen. Haben Sie nicht schon einmal selbst in eine Biomöhre gebissen und gedacht „das schmeckt ganz anders“?

Wir haben also beste Zutaten genommen und einen reichhaltigen Knochenfond gekocht. Dann kam Gemüse dazu, reichlich Knoblauch und Ingwer (beide gehören zu den besten Endzündungsbekämpfern des Pflanzenreichs). Reis macht daraus eine komplette Mahlzeit. Hier in Europa könnte man auch prima mit Kartoffeln arbeiten. Diese sind regional verfügbar und ihrerseits reich an Vitamin C. Dann noch ein paar frische Kräuter dazu und fertig ist ein Immunbooster par excellence: Gute Fette, entzündungshemmende Zutaten und Vitamine. Quasi die Entsprechung zu Großmutters Hühnersuppe.

Gesunde Produkte für das Osternest

Bestellen kann man das übrigens in unserem Online Shop:https://www.beautyandrespect.berlin

Da finden sich einige tolle Produkte wie das Handaroma „Essig der vier Diebe“ und das Kräutersalz „53“, das wirklich aus 53 verschiedenen, handgepflückten Blüten & Kräutern besteht. Der grüne Wandel nimmt also weiter seinen Lauf. „Das Augenmerk auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit wird im Lebensmittelsektor nach der Pandemie noch stärker in den Vordergrund rücken“. Momentan haben wir ja nicht so viele Live Gäste, da analoge Veranstaltungen noch nicht wirklich erlaubt sind. Ich stelle aber bei Kundengesprächen mehr fest, dass nach der Herkunft und Regionalität der Produkte gefragt wird. Out scheint auch Streetfood. Wie siehst du das?

Sven: Also bei uns wird schon oft vom „Durchschnittskunden“ nach Streetfood gefragt. Aber man merkt tatsächlich das die großen Unternehmen, welche viele hochwertige Veranstaltungen im Jahr machen, diesen Trend nicht mehr so „feiern“. Da kommt ein zeitloser Wert wie Qualitativ hochwertige Zutaten, als neuer-alter Trend gerade Recht. Für uns ist es jedenfalls ein „ Heimspiel“. Wir leben diese Werte. In meinen Augen ist es einfach am Wichtigsten, dass ein gutes Essen aus Zutaten hochwertigster Herkunft besteht. Ich will als Unternehmer in den Spiegel schauen können, und meine privaten Werte so stark wie möglich auf mein Geschäft übertragen.

Danke Sven für den Blick in deine Kochtöpfe und deine Überzeugungen. Wir freuen uns auf die nächsten Events mit dir!

Mehr Infos zu Gans & Gar Catering Berlin:

https://www.mfe-berlin.com



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