Lineare Abläufe kommen aus der Mode

Kommen lineare Eventabläufe aus der Mode? – Überlegungen einer Regisseurin

Die Pandemie hat Geburtstag. Es ist also tatsächlich so weit gekommen, dass wir einen Jahrestag der Pandemie haben und seit einem Jahr mit dem Virus leben. Eine Torte haben wir nicht gebacken und auch keine Gäste eingeladen…

Uns ist klar geworden, dass die Zukunft nicht mehr Tag für Tag wie selbstverständlich auf uns zukommen wird. War vor einem Jahr ein gut gefülltes Auftragsbuch die Normalität, verändert sich unser Kalender jetzt sehr viel kurzfristiger. 

Wir waren gerade mit der ersten Staffel der arte Produktion beschäftigt, als über Nacht Florida Entertainment angefragt hat, die einen Kampagnenfilm bei uns drehen wollten. Haben sie dann auch und das RBH Team muss sich überschlagen und einen Nachteinsatz einschieben. Die aktuelle Ausstellung in der RBH Ausstellungshalle, die leider aufgrund des Lockdowns nicht geöffnet hat, musste für den Dreh verwandelt werden. Wertvolle Kunstwerke wurden geschützt und interessante Perspektiven für die Produktion geschaffen.

So hatten wir an einem Tag plötzlich alle drei Hallen mit Produktionen gefüllt. Vor jedem Halleneingang Teststationen für Schnelltests und die RBH waren ein quirliger Ort voller TV-und Filmtechnik. Ein Gefühl wie Klein – Hollywood.

Unsere Erkenntnis: Die Welt funktioniert nicht mehr linear. 

Das Gefühl der Linearität haben Menschen seit der Erfindung des Buchdrucks. Ein Wort folgt auf das andere und linear setzt sich Sinn zusammen. Im weiteren Verlauf der Geschichte ist daraus Planbarkeit geworden. Wir erwarten, dass alles aufeinanderfolgt, wie auf einer Schnur aufgezogen. So in etwas war auch der Blick in die Zukunft. Die Aufträge kamen von allein auf einen zu.

Kommen lineare Eventabläufe aus der Mode?

Als Kreative und auch Regisseurin weiß ich es eigentlich anders. Für mich waren sie noch nie in Mode 😉 In der Kreation funktioniert nichts linear. Keine Idee entsteht als würde ein Stein auf den anderen gesetzt. Wenn das so wäre, dann käme nämlich eine Mauer dabei raus.

Ich beginne jede Idee entweder mit meiner Zetteltechnik oder ich zeichne kleine Farbwerke, um meine Kreativität ins Fließen zu bringen. Wie funktioniert meine Zetteltechnik? Ich zerreiße altes Büropapier in kleine Zettel ungefähr DIN A4. Für mich ist es wichtig, dass ich kein frisches Papier verwende, sondern etwas, das schon mal im Einsatz war. Auf einer Seite steht etwas, dass wir schon mal gebraucht haben.

Dann kommen meine vielen bunten Stifte zum Einsatz. Auf einem Zettel notiere ich eine Frage, Behauptung oder wo ich mit meinen Überlegungen hinmöchte. Und dann lasse ich los. Intuitiv greife ich die Stifte und Farben und notiere alle Ideen, die aus mir fließen. Die Verwendung von unterschiedlichen Farben erleichtert es mir später, Ideengruppen zu formen. Oder aus den Oppositionen der Farben ergeben sich neue Ideen. Das mache ich so lange bis ich meine Hauptidee gefunden habe. Das spürt man ganz deutlich, wenn es so weit ist.

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Humus für Ideen

Mit-sich-Sein ist eine Voraussetzung, die ich als Kompass nutzen kann. Oft kommen Ideen hoch, die aus einem anderen Zusammenhang zu kommen scheinen. Eigentlich wie gedanklicher Humus- Schon mal Gedachtes, Erlebtes, Gemachtes zerlegt sich in Einzelteile und vermischt sich mit…. Dingen aus der Fantasie, dem unsichtbaren Raum, aus dem alle Kreativen schöpfen. Etwas, was man erst nicht sieht, aber sichtbar machen kann. Das ist für mich nicht linear.

Digitale Events als Kampagne

Bei digitalen Events kommen lineare Eventabläufe aus der Mode. Kunden sind zwar erstaunt, wenn wir ihnen sagen, sie sollen ihren Event als Kampagne denken. Meist kommen sie nämlich mit dem ersten Ablaufentwurf auf uns zu. Denken wir an gut gemachte Filme. Die besten sind nicht linear aufgebaut, sondern lassen dem Zuschauer Raum für eigene Denken und das Schaffen von Zusammenhängen.

Die Zukunft liegt in der gekonnten Gestaltung von Kampagnen. Damit meine ich keine Werbekampagne oder vielleicht doch? Denn bei digitalen Formaten ist es unsere Aufgabe, um die Aufmerksamkeit der Teilnehmer zu werben, sie zu interessieren und sie leicht durch das Geschehen navigieren zu lassen. Dabei ist es wichtig, einen Kommunikationszeitraum zu gestalten, der über das Momentum des eigentlichen „Events“ hinausgeht. Die Kommunikation beginnt früher und dauert über das Ereignis hinaus. Deshalb nenne ich das Kampagne.

Wichtig- Die digitale Event Kampagne ist nicht linear aufgebaut, vielmehr hat sie ein klares Ziel und alle Beiträge sollen darauf einzahlen. Beiträge können nebeneinander vorkommen. Zeitliche Abfolgen so gestaltet sein, dass nicht jeder Teilnehmer alles gleichzeitig erlebt. Inhalte nach unterschiedlichen Zielgruppen oder Interessen ausgerichtet werden. Den Teilnehmer aktiv einbinden und das Thema Wohlfühlen nicht vergessen.

Niemand nimmt an einem 8 stündigen digitalen Format teil! In Wirklichkeit haben auch schon Teilnehmer in langwierigen Live Veranstaltungen geistig weggeschaltet oder sind an raus gegangen, um etwas anderes zu machen.

Linearität war auch im Event keine gute Idee.

Fazit: Wenn wir jetzt den Ansatz des kreativen Umgangs mit der Gesamtsituation praktizieren, dann können wir Stagnation auflösen und neue Perspektiven entwickeln.

Ich habe das Zitat von Harry Gatterer gelesen und es passt: „Die radikale Orientierung am Mit-sich-Sein ist die Essenz der Zuversicht, wenn das Außen nicht mehr jene Kongruenz liefern kann, mithilfe derer wir unsere Vergangenheit zur Zukunft machen können.“

Deshalb sind wir am Wochenende mal wieder in unsere Lager gegangen und haben unsere Bestände gesichtet. Vasen, Kerzen, Dekomaterialien, Vorhangstoffe, Weinkeller u.ä.  Alles Dinge für Live Events, obwohl… den Wein kann man ja auch so trinken 😉

Diese Dinge sind wie Layer aus einer anderen Zeit analog zu meinen Papierzettel, die auf der Rückseite Informationen zu vergangenen Events hatten. Ich glaube daran, dass Ideen aus Ideen erwachsen können, aber nicht linear, sondern eher in Wellen, Schleifen, Spiralen, Überlagerungen.

Zum Thema Layer aus einer anderen Zeit habe ich diesen Artikel herausgesucht. Er zeigt die Reinbeckhallen aus der Vergangenheit und was aus der Architektur bis heute geworden ist.

https://www.bauwelt.de/rubriken/bilder/OSW-vor-der-Sanierung-3501638.html

Mit The Experience haben wir die unsichtbare Kraft dieses Ortes das erste Mal live gehoben: https://www.mfe-berlin.com/

Digital/Hybrid: https://blog.mfe-berlin.com/blog/reinbeckhallen-auch-hybrid/

RBH Location für hybride Events

RBH Location für hybride Events

Aufbruchstimmung in den Reinbeckhallen. Überall auf dem Gelände wird gewerkelt. Die RBH wird jeden Tag mehr eine Location für hybride Events. Gemeinsam mit FastLane virtual und ambion arbeiten wir an einem TV Studio und einer webbasierten Plattform für virtuelle Formate. Die Zukunft der Corporate Kommunikation in einer Zeit ohne Live-Events. Die neuen Events sind vielmehr Kampagnen und nicht Veranstaltungen, die beschränkt auf einen konkreten Zeitrahmen ablaufen.

Wenn ich aus meinem Bürofenster schaue, dann werkeln viele Künstler in ihren Studios auf dem Gelände der Reinbeckhallen. Der Fotograf und Werbefilme Olaf Heine und der bildende Künstler Christian Jankowski sind jetzt in ihre neuen Wirkungsstätten eingezogen. Es herrscht also kreative Quirligkeit, die nicht virtuell, sondern ganz handfest und analog ist. Unsere Nachbarn Eloa bauen Designlampen aus Glas. Die sind nicht nur schön, sondern für mich ist es schön den handwerklichen Prozess zu beobachten. Das ist nichts distanziertes, sondern Hands On. Material wird in die Hand genommen und geformt.

Holz, Beton, Glas, Naturmaterialien, Werkzeug, Schrauben usw. Jedem hier auf dem Gelände geht es tagtäglich um Gestaltung. Das ist sehr inspirierend. In diesem Spannungsfeld zwischen virtuellen Anforderungen für Kundenprojekte und analoger und künstlerischer Gestaltung auf dem Areal, kreieren wir die Veranstaltungen von morgen.

RBH Location für hybride Events

Die Pandemie wird so schnell nicht enden, aber Menschen müssen weiterhin in Kontakt kommen und bleiben. Wir glauben, dass es in Zukunft zunächst nur Live Events mit einer überschaubaren Anzahl von Teilnehmern geben wird.

Was viele Kunden derzeit umtreibt ist, ein Gefühl dafür zu entwickeln, was sie jetzt brauchen, um den Kontakt zu ihren unterschiedlichen Stake Holdern zu halten und auszubauen. Wir hören oft die Frage nach dem geeigneten technischen Tool, aber der gedankliche Ausgangspunkt ist leider immer noch ein einfacher Ablaufplan. Der Plan beginnt am Morgen mit dem Stehkaffee gefolgt von den Referentenbeiträgen und geht bis zum „Feierabend“. Der Grundgedanke und damit auch das Grundgefühl ist die Bewältigung eines Arbeitstages.

Gedanken Dusche

Lassen wir doch mal den alten linearen Ablauf Gedanken los. Es geht doch nicht darum nur neues Wissen, Best Cases usw. zu vermitteln, weil man das nämlich jedem Teilnehmer einfach zuschicken könnte. Menschen müssen interessiert, aktiviert, angespornt, vernetzt und umsorgt werden. In digitalen Zeiten funktioniert das anders als in Live Zeiten. Warum verbreiten sich manche digitalen Inhalte in Sozialen Netzwerken wie ein Lauffeuer? Warum werden sie geteilt und gelinkt? Wir finden: Jeder digitale Event muss so interessant gestaltet sein, dass die Teilnehmer ihn teilen wollen. Weg mit alten Ablaufplänen, die haben ausgedient!

Kampagnen gestalten

Die Zukunft liegt in der gekonnten Gestaltung von Kampagnen. Damit meine ich keine Werbekampagne oder vielleicht doch? Denn bei digitalen Formaten ist es unsere Aufgabe, um die Aufmerksamkeit der Teilnehmer zu werben, sie zu interessieren und sie leicht durch das Geschehen navigieren zu lassen. Dabei ist es wichtig, einen Kommunikationszeitraum zu gestalten, der über das Momentum des eigentlichen „Events“ hinausgeht. Die Kommunikation beginnt früher und dauert über das Ereignis hinaus. Deshalb nenne ich es Kampagne.

Digital Strategie

Mit unserem inszenatorischen Blick, richten wir die RBH auf eine hybride Zukunft aus. Wie eingangs beschrieben ist das Areal RBH ein großer Gestaltungsort, der kreative Freiräume lässt. Diese Freiräume braucht es, damit wir experimentieren können, um die Kommunikation Kampagnen der Zukunft für unsere Kunden entwickeln zu können.

Wir denken nach über Pixel basierte Plattformen und Bilder versus analogem Gestalten, weil Gestaltung die bewusste, verändernde Einflussnahme auf die ästhetische Erscheinung von Dingen oder Zusammenhängen, also auf unmittelbar sinnlich wahrnehmbare Phänomene wie Räume, Objekte, Handlungen oder Bewegung ist. Beim Denken und gestalten hilft uns ab sofort- Zoe Janus, digital native, Aktivistin & Tochter von Samuel. Schreiben Sie uns doch, was Sie über Kommunikation Kampagnen denken. http://www.mfe-berlin.com

RBH ein Gestaltungsprinzip Ort

Der erste Eindruck zählt.

Der erste Eindruck zählt.

Gründe warum die Gestaltung der Empfangssituation beim Event so wichtig ist.

Bringen Sie Ihre Gäste schon am Eingang in die richtige Stimmung für eine erfolgreiche Veranstaltung. Dabei verstehen wir unter Eingang, die erste Situation bei der unserer Gäste mit der Veranstaltung in Kontakt kommen. Das muss nicht erst die Eingangstür und Garderobe sein, sondern der erste Kontakt ist oft schon viel früher. Es kann beispielsweise der Parkplatz, die Haltestelle des Shuttle Busses sein. 

Der erste Eindruck zählt. 

Versetzen Sie sich mal selbst in die Situation als Gast. Was wäre wenn,

  • Sie die Stadt nicht kennen, in der das Event stattfindet. 
  • Sie kennen die anderen Teilnehmer nicht oder aber auch sehr gut. 
  • Sie sind müde, hungrig oder aber auch sehr erwartungsvoll.
  • Sie haben schon alles oder noch gar nicht so viel gesehen und miterlebt.

Wir könnten hier noch viele weitere Gefühlszustände aufzählen, aber ich denke, Sie wissen auf was wir hinauswollen.

Es geht um die Antizipation von Gefühlen und daraus resultierenden Reaktionen. Wir wollen das bei einer guten Eventgestaltung vorwegnehmen und simulieren die Situation des Gastes, um uns besser einfühlen zu können. 

Reaktionen verstehen 

Woher kommen unsere Gefühle und Reaktionen? Oft haben wir auf diese Frage keine Antwort. Sie schienen plötzlich „da“ zu sein. Dabei fallen Gefühle oder Reaktionen nicht einfach so vom Himmel. Ursachen für Gefühlszustände sind Bewertungen der Situation, in der wir uns befinden. Bewertungen entstehen, wenn wir das Wahrgenommene zu interpretieren und verstehen versuchen. Bewertungen sind also unsere Gedanken, die wir uns zu unseren Wahrnehmungen machen. 

Der erste Eindruck zählt. 

Wir können als Eventgestalter viel tun, um Gefühle in positive Wahrnehmungen der Veranstaltung gegenüber zu verwandeln. Überlegen Sie sich, was der erste „Kontaktpunkt“ ihrer Gäste mit dem Live-Eventgeschehen ist. Wir meinen jetzt nicht das Einladungsprocedere. Das ist noch mal ein eigener Touchpoint für sich.

Ist es der Busshuttle, die Ankunftssituation an der Location oder ist es die Einlasskontroll, Garderobe oder wirklich der erste Schritt in die Location. Wichtig ist, dass Sie den Punkt definieren und passend zum Konzept gestalten. Und der erste Eindruck zählt wirklich –denn ein gut organisierter Empfang sorgt für eine entspannte und positive Stimmung unter den Gästen.

Der erste Eindruck zählt. 

Der Empfang der Gäste ist wie die Begegnung mit einem potenziellen Neukunden. Hier legen wir den Grundpfeiler der Botschaft, die sich beim Gast verankern soll und mit der er auch nach Hause gehen soll. Wenn eine Firma sich im Geschäftsleben mit einem herausragenden Service positioniert, dann sollte diese Firma schon beim Empfang der Gäste dafür sorgen, dass man diesen Servicegedanken spürt und sieht.

Gäste erkennen sehr schnell wie herzlich und mit welchem Respekt der Gastgeber seine Gäste empfängt und ob eine Veranstaltung z. B. nachhaltig ausgerichtet ist oder besonders fantasievoll und ob die Veranstaltung organisatorisch gut aufeinander abgestimmt ist und der Gast sich schnell orientieren kann, sich schnell wohlfühlt und einfach ins Gespräch kommt. 

Das alles wird automatisch mit dem Gastgeber verknüpft, ob der Gastgeber das will oder nicht. Und gerade deshalb sollte sich jeder Gastgeber dessen bewusst sein und die Möglichkeiten für sich nutzen seine Ziele und Botschaften bewusst zu setzen – vom Empfang bis zum Abschied des Gastes.

Zum Schluss einige Tipps:

Viel Erfolg beim nächsten Event!